Westfalens letzte Totenfrau

Wilhelmine Möller – Westfalens letzte Totenfrau

Vorwort:
Superlative sind wichtig, vor allem wenn es um das Erwecken von Interesse geht, sei es zum Kauf einer Ware oder zur Erhöhung von Einschaltquoten. So ist es auch zu erklären, dass im Jahr 1990 ein Kamerateam des WDR III den Weg in das „2000 Seelen Dorf“ Nammen (Originalton WDR) fand und hier einen 30-minütigen Filmbericht über die vermutlich letzte Totenfrau Westfalens, Wilhelmine Möller, drehte. Trotz intensiver Bemühungen des Heimatvereins ist es nicht gelungen, diesen Film über unsere Internetseite Interessenten zugänglich zu machen. Der WDR besteht auf seinem Copyright und war zu keinem Zugeständnis zu bewegen. Es sind aber Kopien im Ort vorhanden. Eine davon hat mir Manfred Busse ausgeliehen, als er von meinem Interesse an der Materie hörte.

Bemerkung zum Film:
Wilhelmine Möller hat bei den Dreharbeiten das stolze Alter von 90 Jahren, zeigt aber bei den umfangreichen Interviews eine erstaunliche geistige Präsenz und meistert auch schwierige Situationen, wenn es z.B. um den Tod ihrer Kinder und ihres Mannes geht. Das Interview am Familiengrab hätte man ihr ersparen sollen. Hier ist sie – obwohl sie es nicht wahrhaben will – sichtlich gerührt und emotional bewegt, stellt sich aber doch wacker den Fragen des meist einfühlsamen Interviewers und beantwortet sie mit klarer Stimme.
Aber kommen wir zum Anfang des Films, der den Titel „Die Totenfrau – Eine Tradition stirbt aus“ trägt. Stolz zeigt „Möllers Mutter“ dem Reporter ihr Haus an der Untkenbeeke, spart dabei weder Stallungen noch Obergeschoss aus, wo die steile Treppe („Jo, dat war früher so.“) ihr keine Mühe bereitet. Sie zeigt und kommentiert einige alte Fotos und erzählt aus ihrem bewegten Leben. Aufgelockert wird alles durch Zwischeneinblendungen von Filmaufnahmen immer mit der körperlich erstaunlich fitten 90 – jährigen an für ihre Biografie relevanten Schauplätzen, z.B. im Steinbruch und im Stollen in Kleinenbremen (Der Stollen bei ihrem Elternhaus konnte leider für Aufnahmen nicht herangezogen werden, weil er nicht mehr existiert.) und an ihrem inzwischen verfallenen Geburtshaus am Endpunkt des Weges „Im Domprobst“. Es war dort das einzige Haus. Es lag direkt am Waldrand weitab vom Dorfzentrum. Heute würde man hier vermutlich keine Baugenehmigung mehr bekommen, da wichtige Versorgungsanschlüsse fehlen und nur mit hohen Kosten zu erstellen wären. Das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum das Anwesen aufgegeben wurde.

Auch das Kaiser Wilhelm Denkmal wird nicht ausgespart. Die Stufen zur obersten Plattform schafft sie locker (Man zeigt sie allerdings nur auf den letzten Metern.) Unterhalb der Kaiserstatue erklärt sie die Entstehung der Porta Westfalica (Version der Sage) und singt das Lied „Der Kaiser ist ein lieber Mann“ aus ihrer Schulzeit. Ein Großteil der Filmszenen wurde allerdings auf dem Friedhof und in der Kapelle gedreht, wo man unter anderem bei der Vorbereitung der Trauerfeier und bei der Beerdigung von Heinz Witt im März 1990 Außenaufnahmen machte. Am Schluss folgen noch einige Sequenzen, die „Möllers Mutters“ Zusammenarbeit mit einem Mindener Beerdigungsinstitut dokumentieren. Sie begleitet Dieter Heinrichsmeier bei Überlandfahrten zu Krankenhäusern, wo Leichen abgeholt werden, denn „nicht jeder Nammer stirbt zuhause“ und zum Krematorium Bielefeld und unterhält sich dabei blendend mit ihm – natürlich auf Plattdeutsch.

An vielen Stellen wird deutlich, dass die Mitarbeit am Film der alten Frau sichtlich Spaß gemacht hat. Sie hat Nammen würdig vertreten und gezeigt, welch ein Original sie ist – oder besser gesagt war.

Willhelmine Möller im Internet:
Das hätte sich „Möllers Mutter“ wohl nie träumen lassen, dass sie eines Tages im Internet weltweit aufrufbar ist und jeder ihre Biografie lesen kann. Der Link dorthin: http://www.westfaelische-geschichte.de/per701. Es folgt ein zweiseitiger Artikel über Nammens berühmte Bürgerin.

Wem das zu umständlich ist, hier die wichtigsten Daten: Wilhelmine Möller wurde am 17.7.1899 als älteste Tochter der Eheleute Brandt in Nammen geboren. Laut Internetportal ist sie „auf dem Hof mit 3 Schwestern und 2 Brüdern aufgewachsen“. Von Brüdern war allerdings in dem Film nie die Rede. 1921 heiratete sie den Kalkbrenner Karl Möller und zog in dessen Elternhaus. Sie brachte 3 Kinder zur Welt. Zwei davon starben schon bei der Geburt ( im Film – nach ihren Angaben – 1927 und 1929). Das dritte Kind, Sohn Karl, geb. am 15.3.1921, gilt seit 1944 als vermisst. Sein Name und die Lebensdaten finden sich in Nammen am Kriegerdenkmal. Ihr Mann starb als spätes Opfer des 1. Welkriegs nach langer Krankheit im Jahre 1958 Er hatte sich durch eine Kriegsverwundung ein Leiden zugezogen, das ihn schon mit 32 Jahren zum Frührentner machte. Wilhelmine Möller starb im Juni 2000 kurz vor ihrem 102. Geburtstag.