Schützengräben im Nammer Wald

Schützengräben im Nammer Wald – Relikte des 2. Weltkriegs

Wenn man auf der Trasse der ehemaligen Grubenbahn den Nammer Wald durchwandert, kann man bei aufmerksamer Betrachtung östlich des Weges Schützengräben entdecken oder zumindest das, was von ihnen übriggeblieben ist. Im Laufe der letzten 70 Jahre hat sich in ihnen eine Menge Laub angesammelt. Durch natürliche Erosion haben sie sich der Umgebung immer mehr angepasst, so dass man sie nur noch im Winterhalbjahr vom Wege aus finden  kann, wenn die Vegetation den Waldboden nicht mehr bedeckt. Auf die Idee, einen Bericht über diese Hinterlassenschaft einer düsteren und zunächst verdrängten Epoche der deutschen Geschichte zu schreiben, brachte mich Manfred Busse, von dem auch die Fotos stammen. Als er mir den Stick mit den Bildern vorbeibrachte, dachte ich sofort an das Buch von Hermann Kleinebenne „Die Weserlinie“. Vielleicht ließen sich dort interessante Fakten über das Kriegsende in unserer Gegend und speziell zur Situation im Nammer Wald und zum Munitionslager finden.

Am 6.4. 1945 war es 3 amerikanischen Bataillonen gelungen, im Bereich der Porta die Weser zu überqueren. Vorausgegangen war vorbereitendes Artilleriefeuer auch in Richtung Nammer Wald. Durch Flugaufklärung war man mit Sicherheit über die Exiistenz der Bunkeranlage informiert. Der deutsche Widerstand war nur schwach und setzte zu spät ein. In den folgenden Stunden waren die Amerikaner bestrebt, den Brückenkopf zu sichern und auszubauen. Man besetzte die Ortschaft Lerbeck, nachdem man im Raum Porta-Neesen 194 Mann einer aus etwa 200 „Soldaten“ bestehenden technischen Truppe gefangen genommen hatte.

Auf deutscher Seite erwartete man einen Angriff auf das Munitionslager im Nammer Wald und hatte deshalb östlich und südlich davon in unmittelbarer Nähe der ehemaligen Bahntrasse Schützengräben zur Verteidigung oder für einen Hinterhalt angelegt. Hier war man durch Buschwerk besser geschützt als in der bekannten Bunkeranlage und hatte das Überraschungsmoment auf seiner Seite. Es kam aber ein anderer Plan zur Ausführung. Aus dem Nammer Wald heraus griff man mit etwa 60 Soldaten (meistens kampfunerfahrene Musikschüler der Heeresmusikschule Bückeburg) und Sturmgeschützen oder Panzern die Amerikaner im Norden Lerbecks an. Diese zogen sich in Häuser südlich der jetzigen Straße Zur Porta zurück. Bei den Kämpfen fielen 12 deutsche Soldaten. Der Rest zog sich zurück, wurde aber beim weiteren Vorrücken der US Truppen gefangen genommen.

Nammen wurde besetzt. Nur am Hennerhof und an der Lehmkuhle fanden Nahkämpfe statt. Die Bevölkerung hatte sich in den Stollen und in den Kellern der Häuser in Sicherheit gebracht. Bettlaken waren zu weißen Fahnen, die Aufgabe signalisierten, umfunktioniert worden und wurden in die Fenster gehängt. Der Krieg hatte damit für unseren Ort sein Ende gefunden.

In meinem Elternhaus an der Portastraße,jetzt Zur Porta, befanden sich zu der Zeit meine Mutter, Großmutter, Großtante und als einziger Mann, mein 50 jähriger Großonkel, der den verheerenden Bombenangriff vom 26.10. 1944 auf die Kanalüberführung in Minden (er arbeitete zu der Zeit bei der Bahn und befand sich auf dem Bahnhofsgelände) wenn auch schwer traumatisiert überlebt hatte.  Sie wurden von den einrückenden Amerikanern freundlich behandelt. Auch mein Großonkel, dessen Gesundheitszustand nicht der beste war, durfte im Hause verbleiben.

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