NS Relikte

Außer dem alten Munitionslager gibt es im näheren Umfeld weitere Spuren aus der Zeit des Dritten Reiches.

1936 wurde die Anlage eines neuen Exerzierplatzes zwischen Nammen und Röcke beschlossen. Die Mehrzahl der von der „Geländenahme“ betroffenen landwirtschaftlichen Betriebe wurde nach Bückeburg (Kornmasch) umgesiedelt. Die alten Hofstätten mussten aufgegeben werden.

Im gleichen Jahr wurde ein weiterer Übungsplatz für die Mindener Pioniere am Nordhang des Jakobsberges beantragt. Es handelte sich dabei um das Gelände rund um den „Blauen See“, das heute noch von der Bundeswehr genutzt wird und eingezäunt ist. Der Übungsplatz wurde von der Wehrmacht ab 1938 genutzt. Vorher hatte sie sich durch ein „vereinfachtes Enteignungsverfahren“ in den vorläufigen Besitz des Grundeigentums gebracht.

An der Grille wurde 1936 eine neue Kaserne bezogen. Das benötigte Gelände mussten die betroffenen Gemeinden Meißen und Dankersen kostenlos zur Verfügung stellen. Bei in unserer Gegend nicht selten vorkommenden Einquartierungen von Soldaten oder Arbeitsdienst aber auch von Ferienkindern ging man ebenso rigoros vor. Sie wurden einfach angeordnet, und die Bevölkerung hatte sich zu fügen.

Damit noch nicht genug der militärischen Anlagen: Im Waldgebiet auf niedersächsischer Seite (damals Freistaat Schaumburg-Lippe) unmittelbar an der Grenze zu Nammen (damals Preußen) befand sich seit dem 19. Jh. ein Schießstand, der später sogar noch von der Bundeswehr genutzt wurde, bis er dem Bau der B 65 neu weichen musste und an den Rand des Schaumburger Waldes bei Cammer verlegt wurde. Dieser alte Schießstand bestand aus 5 Schießanlagen. Für seine Existenz vor 1933 habe ich 3 Belege:

  1. Mein Vater hat mir als Zeitzeuge davon erzählt.
  2. Ich habe mit eigenen Augen einen Gedenkstein in der Nähe eines noch in den 50er Jahren existenten und zum Schießstand gehörenden Hauses gesehen, der zum Andenken an einen 186? bei einem Schießunfall getöteten Soldaten aufgestellt war.
  3. Eine topografische Karte von 1898, auf der der Schießstand mit 5 Einzelständen bereits eingezeichnet war, allerdings ohne die Teiche am Nordwestende. Diese kamen erst später, als die Nationalsozialisten den „Scheibenstand“, wie er im Volksmund genannt wurde, weiter ausbauten und vor allem die Kugelfanganlagen den neuen Anforderungen anpassten.Von Heinrich Watermann als Zeitzeugen habe ich erfahren, dass die einheimisch Bevölkerung beim Erdaushub 1936 mitarbeiten musste. Sein Vater als Landwirt hatte dabei ein Pferd zur Verfügung zu stellen. Die ausgehobene Erde wurde für die Aufschüttung eines Kugelfangwalles hinter den Scheiben und auch im Seitenbereich benötigt. Die entstandenen Aushubstellen füllten sich mit Wasser und sind heute als Teiche oder Tümpel zu sehen. Die alten seitlichen Kugelfänge wurden erneuert und verstärkt. Sie bestanden jetzt aus Beton- statt aus Holzwänden. Nördlich der B 65 neu sind noch ca. 200m Kugelfangwall und 2 Betonmauern erhalten geblieben.

Literatur: Kristan Kossak, Mindener Wehrmachtsverbände … , Mindener Beiträge 29, Hrsg: Mindener Geschichtsverein 2001

 

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