Kohlebergbau in Nammen

Wenn man an Bergbau in Nammen denkt, kommt einem zuerst der Abbau von Eisenerz in den Sinn. Kaum jemand weiß, dass man hier auch nach Kohle gesucht hat und zwar zur gleichen Zeit als die Verleihung des Bergwerkseigentums für die Grube “Wohlverwahrt confirmiert1) wurde. Laut der Chronik von Nammen von 1840 legten die Kaufmänner Tebbe und Bödeker im Jahre 1835 an mehreren Stellen im Nammer Walde Kohlengruben an. “Die erste Grube war in der Gegend der neuen Chaussee hart an der Bückeburgischen Grenze.2) Man hatte allerdings keinen Erfolg. Der Beginn der Bauarbeiten der neuen Straße (heute Rintelner Straße) fiel ebenfalls in das Jahr 1835. Sie führte von der preußischen Klus über Kleinenbremen zur hessischen Grenze und umging die Zollstationen Schaumburg-Lippes. Die Misserfolge bei der Suche nach Kohlevorkommen entmutigte die beiden Kaufmänner nicht. Schon 1836 legten sie zusammen mit einem weiteren Interessenten, dem Herrn Twintmeier ein Bergwerk im Nammer Holz an. Inspiriert war man durch das benachbarte Kohlebergwerk im Meißer Holz. Hier hatte man schon 1820 mit der Sondierung der Kohleflöze und 1822 mit deren Abbau begonnen. Nach kurzer Unterbrechung 1827 setzte ein neuer Betreiber 1834 die Förderung fort. Es dürfte sich dabei um die Zeche “Preußische Klus” gelegen zwischen Holzweg und Rintelner Straße gehandelt haben. Während das Unternehmen in Meißen erfolgreich war, kann man das von Nammen nicht behaupten. In der Chronik liest sich das so: “Beinahe 50 Fuß tief finden sie noch keine Kohlen.3) Die Frage stellt sich, wie lang ein Fuß ist, denn je nach Gegend schwankten in Deutschland die Werte zwischen 25 cm und 34 cm pro Fuß. Welches Maß galt bei uns? ” Der in Europa sehr weit verbreitete “Rheinische Fuß” wurde 1793 auch zum preußischen Fuß. Sein Maß beträgt 313,85 mm. Er wurde im Jahr 1872 aufgegeben.” 4) Danach hätte man ca. 15,7 m tief gegraben. Im Nammer Wald kommt man – je nach Lage und Witterung – zwischen 0,5 m und 1,50 m spätestens auf Grundwasser. Sollte mit Tiefe des Stollens eher seine Länge gemeint sein oder hatte man Möglichkeiten wie in Meißen, das Grundwasser abzupumpen? Hierüber ist in der Chronik leider nichts vermerkt, wohl aber über die Kosten: “Beinahe an 1500 Th kostete diese Anlage; aus Geldmangel einiger Theilnehmer mußte mit Bearbeitung aufgehört werden.” 5)

Auf dem “Urmeßtischblatt aufgenommen und gezeichnet im Jahre 1837 durch von Puttkammer Pr: Lieutenant 1st Garde Rgt.” mit dem Maßstab 1:25 000 bin ich auf die Einzeichnung eines Versuchsstollens im Nammer Wald gestoßen. Vor Ort lassen sich keine Spuren mehr finden. Bei dem Zeitraum nicht verwunderlich. Das Gelände ist zudem in der Zwischenzeit zahlreichen durch Menschen verursachten Veränderungen unterworfen gewesen. Die gravierendste davon fand durch den Neubau des Munitionslagers in den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts statt. Ich habe aber auch bei Erkundungen vor dieser Zeit keinerlei Hinweise auf einen Stollen gefunden. Er lag laut Karte hart an der Grenze des alten Munitionslagers. Dort steigt das Gelände gerinfügig an. Die Bezeichnung “Versuchstollen” lässt vermuten, dass man keinen Schacht, der senkrecht in die Tiefe gehen würde, sondern eher einen Schrägstollen mit unbekannter Neigung angelegt hat. Aber auch hier waren Probleme mit zulaufendem Wasser vorprogrammiert.

Es bleibt noch die Frage: Wieviel wären 1500 Taler nach heutigem Wert? Damals musste ein Leineweber für den Betrag ca. 14 Jahre lang arbeiten oder nach Angaben aus der Nammer Chronik bekam man dafür zu jener Zeit etwa 3,5 t Roggen. 6) Das war selbst nach damaligen Maßstäben sicher zu wenig Kapital, um ein florierendes Bergwerk zu begründen. Man hätte zudem noch einige rechtliche Fragen klären müssen. Eine Anbindung an vorhandene Verkehrswege war mit dem Neubau der “Chaussee nach Kleinenbremen” und eines am Versuchsstollen vorbeiführenden Weges vorhanden (siehe Messtischblatt von 1837) Letzterer wurde wohl 1845 ausgebaut. In der Cronik von 1840 heißt es dazu:”Im Nammerholze wurde in diesem Sommer (gemeint ist das Jahr 1845, Anm. d. Verfassers) eine neue Chausse angelegt, wozu der dienen soll, mögen die Menschen nach uns erst erfahren.?” 7)

Literatur

1. Chronik von Nammen von 1840
2. Wikipedia
3. Horst G. Koch, Eisenbergbau im Wesergebirge
4. Hans Röhrs, Erz und Kohle
5. Urmesstischblatt von 1837

Zitate

1) Eisenbergbau im Wesergebirge, S.7
2) Chronik, S. 59
3) ” , S. 61
4) Wikipedia
5) Chronik, S. 61
6) ” , S. 60
7) ” , S. 103

Porta Westfalica, den 26.12.2016
Dieter Bahe

Messtischblatt 1837
Situation Heute (2017)