Die Grubenbahn

Wer den Nammer Wald als Erholungsgebiet für den ein oder anderen Spaziergang nutzt, oder auch einfach nur mit seinem Hund dort Gassi geht, weiß meist nicht, auf welch historischen Spuren er sich da bewegt. Er benutzt mit Sicherheit zumindest für einen Teil seines Weges die Trasse der alten Grubenbahn. Diese wurde 1889 erbaut, um das Erz von Kleinenbremen effizienter und damit auch kostengünstiger abtransportieren zu können. Vorher wurde der Transport mit Pferdefuhrwerken zum Bahnhof Bückeburg bewerkstelligt. Es handelte sich dabei um eine Schmalspurbahn. Nachdem ich in verschiedenen Büchern zum Thema Erzbergbau in unserer Gegend nur vage und nach meiner Einschätzung der örtlichen Gegebenheiten auch irreale Angaben über den ehemaligen Streckenverlauf fand, wollte ich der Sache auf den Grund gehen. Die Lösung war nicht so schwierig. In der Chronik von Meißen fand ich auf Seite 117 eine Karte, die den genauen Verlauf der Grubenbahn wiedergab. Es handelt sich dabei um einen Ausschnitt einer topografischen Karte von 1898. Auch einige ältere Leute (80 Jahre aufwärts) konnten sich an die Bahn erinnern, oder zumindest daran, dass dort einmal eine Bahn verlaufen ist. An diese vorhandene Trasse wurde auch kurz nach deren Bau die Grube Victoria angeschlossen.

Mit der Inbetriebnahme der Kleinbahn Minden – Nammen am 1. Juli 1918 verlor die Grubenbahn ihre Daseinsberechtigung und wurde stillgelegt. Schon im Jahre 1902 fand der Bergbau im Westen Nammens (Grube Victoria) mit Versuchen, das nicht ergiebige Klippenflöz abzubauen, sein Ende und das Anschlussgleis wurde überflüssig. Erst am 1. Mai 1921 war die Erweiterung der Kleinbahn bis Kleinenbremen fertiggestellt. Der 1. Weltkrieg und die darauf folgenden wirtschaftlich schwierigen Jahre hatten hemmenden Einfluss auf die Weiterentwicklung. Nicht wenige der Leute, die man für die anstehenden Aufgaben benötigt hätte, hatten im Krieg  ihr Leben lassen müssen.

Erst durch die Autarkiebestrebungen des 3. Reiches gewann das Klippenflöz mit seinem geringen Eisengehalt wieder an Bedeutung. Der Bergbau in Kleinenbremen florierte. Die Abtransportstrecken unter Tage wurden schließlich zu lang, so dass mit dem Stollenbau zur Erschließung des Klippenflözes (1938-39) von Nammen aus begonnen wurde. Das war der Anfang der Grube Nammen.