Bodendenkmale bei Nammen

Unter Bodendenkmalen verstehe ich auffällige Veränderungen in der Landschaft, die im Laufe der Geschichte von Menschenhand geschaffen wurden. Im Bereich von Nammen sind dies vor allem die „Nammer Burg“, weitere unbedeutendere Wallanlagen oder Wälle, Hohlwege und Steinbrüche. Streng genommen gehören auch die Relikte des Bergbaus (Stollenmundlöcher,Luftschächte und Abraumhalden) dazu. Hierüber habe ich schon an anderer Stelle berichtet. In diesem Bericht sollen die bisher vernachlässigten Spuren menschlicher Tätigkeit in unserer Gegend Berücksichtigung finden.

1. Wallanlage am Königsberg

Es handelt sich hierbei um eine quadratische Anlage mit den Maßen von 10m x 10m und einer Wallhöhe von bis zu 1,80m. Nach einer Begutachtung von Herrn Dr. Bérenger von der Außenstelle Bielefeld des LWL- Archäologie für Westfalen- handelt es sich hierbei nicht um eine militärische Anlage, da der Talweg (Levernsiek) von hier aus nicht „optisch zu kontrollieren“ war. Es handelt sich vielmehr um eine „künstliche Mulde, deren Aushub an 3 Seiten wallartig aufgeschüttet ist“; zur Bergseite fehlt die Aufschüttung. Man konnte hierin Vieh zusammentreiben und bewachen. Im Wesergebirge sind weitere solcher Anlagen bekannt. Früher wurden Schweine zwecks Eichel- oder Bucheckernmast in die Wälder getrieben und von Schweinehirten gehütet. Möglichwerweise wurden diese zur besseren Kontrolle und zum Schutz nachts in Wallanlagen gesperrt.

2. Wall am Nammer Pass

Auch hier hat sich Herr Dr. Bérenger die Mühe gemacht, den Wall, der ihm allerdings schon bekannt war, vor Ort in Augenschein zu nehmen. Es handelt sich hierbei um eine Möglichkeit, das gesamte Tal und damit den Pass zu sperren. Die Anlage „scheint nicht sehr alt sein zu müssen“. Ihr Verlauf entspricht ziemlich genau der Grenze zwischen Nammen und Lohfeld und könnte eine „eher neuzeitliche Grenzmarkierung“ sein. Denkbar ist auch, dass sie bei der Hude der Schweine eine Rolle gespielt hat, um z.B. zu verhindern, dass die Tiere ins Nachbardorf „ausbüchsen“. Auffällig ist hierbei, dass der Wall von Nammer Seite sichtbar ansteigt und ein Hindernis darstellt. Von Lohfelder Seite ist dies nicht der Fall. Er liegt auch nicht allzu weit vom Nammer Dorfkern entfernt und dürfte eher für unser Dorf einen Nutzen gehabt haben und damit von Nammern erbaut worden sein. Eine ähnliche Aufgabe kam auch den in unserer Gegend weit verbreiteten Landwehren zu, die nicht nur die unkontrollierte Passage von fahrendem Volk verhindern sollten, sondern auch als Grenze für die Hude genutzt wurden.

3. Hohlwege

Im gesamten Wesergebirge und darüber hinaus gibt es eine Vielzahl von Hohlwegen, so auch im Bereich der beiden Nammer Berge, Roter Brink und Nammer Klippen. Manche sind heute noch deutlich im Gelände auszumachen, bei den meisten verlieren sich die Spuren aber allmählich. Andere hingegen werden auch heute noch genutzt und schneiden sich immer tiefer ins Gelände ein.Damit ist schon etwas über die Entstehung und das Vergehen ausgesagt. Für die Holzabfuhr oder zum Passieren der Berge benutzte man immer die gleichen Wege. An diesen Stellen verschwanden die Pflanzen wie Gräser aber auch Büsche und heranwachsende Bäume mit ihrem Wurzelwerk. Die Erde war dadurch schutzlos der Erosion ausgesetzt. Diesen Vorgang kann man auch heute noch beobachten. Er tritt verstärkt an steileren Wegstücken auf und nur schwach in flacherem Gelände. Bei heutigen Waldwirtschaftswegen findet man deshalb in regelmäßigen Abständen Rinnen, die das Wasser zur Seite ableiten und so dessen zerstörerische Kraft zumindest verringern. Auch hilft die Aufbringung eines Schotterbettes, denn Steine sind widerstandsfähiger als der wurzellose Waldboden. Auch können sich hier kaum noch Wagenspuren bilden, die den Abtragungsprozess beschleunigen.Von Zeit zu Zeit wird nachgeschottert, um ein Absinken der Wege zu verhindern. Das hat man früher nicht gemacht. Wegebau im unmittelbaren Bereich der Dörfer war schon kostspielig und mühselig genug. Die alten Hohlwege nahmen ihren Anfang von menschlichen Siedlungen in Richtung Berg. Häufig folgte man zunächst dem Talverlauf allerdings nicht in der zu nassen Talsohle. Von den Tälern aus gab es dann verschiedene Abzweigungen ins Gelände. Die markantesten dieser Hohlwege sind noch östlich vom Levernsiek abzweigend – darunter auch der Zugang zur Nammer Burg (Nammer Lager)- und westlich des Nammer Passes in der Nähe des oben beschriebenen Walles zu finden. Ein heute noch benutzter Weg ist die Verbindungsstrecke über den Kreuzplatz nach Lohfeld. Im Passbereich sind vor allem auf südlicher Seite tief eingescnittene Hohlwege zu sehen.

4. Steinbrüche

Im Bereich der Gemarkung Nammen gibt und gab es zahlreiche Steinbrüche (auch Steinkuhlen oder Lehmkuhlen genannt – je nach Nutzung). Die weitaus größten davon, inzwischen aber verfüllten oder teilverfüllten, dienten der Gewinnung von Kalkstein. Auf sie wurde an anderer Stelle schon eingegangen (Kohlmeierss Kalkofen und Steinbrüche). Nicht erwähnt wurden allerdings in diesem Bericht die an Größe und Bedeutung mindestens ebenbürtigen Timmerbergschen Steinbrüche östlich und nördlich des heute noch erhaltenen einzigen Kalkofens weit und breit. Interessant sind aber auch die vielen kleineren „Brüche“, wie sie bei uns auch genannt werden. Sichtbar – weil naturbelassen – sind sie nur in bewaldeten Gebieten. Eine unbekannte Anzahl ehemaliger Steinbrüche in Häusernähe oder in der Feldflur ist vollkommen verfüllt und nur mit speziellen Techniken (Luftaufnahmen) zu orten. Wozu wurden sie angelegt und was wurde gefördert? Sicherlich brauchte man die Steine seit alters her als Baumaterial für Häuserfundamente und Mauern auch zur Abgrenzung der Grundstücke und zum Wegebau. Kalkhaltiges Gestein (Mergel) hat man schon früh zur Düngung der Felder genutzt. In diesem Zusammenhang sind Gruben (vielleicht Mergelgruben) im Nammer Wald interessant. Nicht auszuschließen ist auch die Gewinnung von Eisen schon zur Keltenzeit, da der rote Eisenstein vor allem am Roten Brink an manchen Stellen offen zu Tage tritt.

dbahe