Bad Nammen

Da vielen die „Chronik von Nammen von 1840“, Vorwort von W. Gläsker aus dem Jahre 1990, Verlag und Herausgeber nicht benannt, nicht zur Verfügung steht, möchte ich (Dieter Bahe) hier die wenigen Zeilen, die über Bad Nammen berichten, wörtlich wiedergeben:
„Am 14. März baute der Pächter des Nammer Schwefelbades ein neues Badehaus. Im Jahre 1813 hatte die Witwe Stuckert (Name nicht sicher) in Nammen mehrere Laubhütten in dem sogenannten Sülthop, wo man eine Schwefelquelle gefunden hatte, erbauet. In zwei Badewannen wurde gebadet. So unvollkommen diese erste Einrichtung auch war, so wurde doch diese Quelle sehr besucht, und mancher holte sich Gesundheit. Die pp Stuckert zu arm, um aus eigenen Mitteln ein Badehaus zu erbauen, erhielt von dem Hl Landwirth v. Arnim Dielen zu einem kleinen Hüttchen. Der Andrang der Menschen wurde immer größer, da verpachtet Ex. Köngl. Hochlöb. – Regierung der Stuckerten die Schwefelquelle: Die Pächter mussten Rth (Summe nicht genannt) bezahlen. Die Gemeinde bewilligte ½ Morgen von ihrer Huderechtsame. In diesem Jahre (Es handelt sich um das Jahr 1830) bauete der jetzige Pächter Nolting, Ehemann der Tochter der Witwe Stuckert das alte Badehaus mit 3 Zimmern um 5 Wannen. (Es sollte später nachgewiesen werden, wie weit die Anstalt fortgeschritten ist).

Der erste Teil der Chronik bis Ende 1840 wurde von Lehrer Hedinger geschrieben. Die Zeilen über Bad Nammen befinden sich in §58, bzw. auf Seite 50. Sie sind  aus der Erinnerung aufgeschrieben und können somit Ungenauigkeiten enthalten.

Die weiteren geschichtlichen Daten kann man dem vom Heimatverein 2002 herausgegebenen Band: Nammen – Geschichte und Geschichten eines Dorfes entnehmen.

Sie sind hier noch einmal kurz zusammengetragen.

1852 Einfassung der 1. Schwefelquelle
1890 Abriss des alten Badehauses von 1826  (Ist damit das in der Chronik erwähnte Badehaus von 1830 gemeint?) Bau eines Kur- und Badehauses mit 40 Gästezimmern für die Kurenden
1918 Eröffnung der  Kleinbahnstrecke Minden – Nammen – Die Verlängerung bis Kleinenbremen wurde 1921 fertiggestellt. (Im oben erwähnten, vom Heimatverein Nammen herausgegebenen Buch, ist als  Eröffnungsjahr 1916 genannt. Ich stütze mich auf das Buch von Horst G. Koch „Eisenerzbergbau im Wesergebirge“ sowie auf die Angaben der mkb im Internet und Berichte aus  „900 Jahre Meißen“, Herausgeber Helmut Oevermann.)  Der damalige Kurbadbesitzer Heinrich Nolting  steuerte 3000 Goldmark zum Bau der Strecke bei und verkaufte zudem das Grundstück, auf dem der Haltepunkt Bad Nammen seinen Platz fand. Vor diesem Zeitpunkt waren die Kurgäste mit der Pferdekutsche von den Bahnhöfen Bückeburg oder Minden angereist, nun konnte man fast bis zum Kurhaus mit der Bahn fahren. Hat sich die Investition für den Gleisanschluss und den Haltepunkt Bad Nammen für die Familie Nolting gelohnt? Ich glaube nicht. Im selben Jahr starb Doris Nolting, Amme von Prinz Heinrich, dem Sohn des späteren Kaiser Friedrich, der im Dreikaiserjahr 1888 todkrank die Nachfolge von Kaiser Wilhelm I antrat. Der Sohn der Noltings verkaufte 1918 Bad Nammen. Im Nachhinein muss man sagen: Eine kluge Entscheidung, denn die Zeit nach dem 1. Weltkrieg war wirtschaftlich schwierig. (Man kann nur hoffen, dass er das für den Verkauf erhaltene Geld nicht in der Inflation verloren hat.)
1927 Erweiterung des Badehauses
1932 Versteigerung von Bad Nammen, da die Kosten für die Instandhaltung die Einnahmen aus den Sommermonaten überstiegen Die Namen der Besitzer, bzw. Pächter in den nachfolgenden Jahren sind Karl  Kuhlmann und Theodor Bittscheid.
1945 Der Krieg war zu Ende. Auch in Bad Nammen versuchte man einen Neuanfang. Das alte Problem, kostendeckend arbeiten zu müssen, stellte sich auch Wilhelm Meier, dem letzten Besitzer von Bad Nammen. Ich kann mich noch gut an ihn erinnern und  an die Tanzveranstaltungen mit Beatbands Anfang der 60er Jahre. Der Publikumszuspruch war gering und auch die Gastronomie lief nicht mehr. Ausflugslokale wie Bad Nammen waren nicht mehr gefragt. Man hatte genug Geld, um in die Ferne (damals noch Italien) zu reisen. Die wirtschaftlich einzig vernünftige Konsequenz war, den Betrieb einzustellen und das Kurhaus zu verkaufen. Leider fand  sich wegen der anstehenden Gesundheitsreform, die Einsparungen bei Kuren vorsah, kein neuer Investor für das Bad.
1970 Der Badebetrieb und die Gastronomie wurden eingestellt. Die Gebäude standen in der Folgezeit leer und wurden zeitweise von Nichtsesshaften bewohnt oder für Übernachtungen benutzt.
1981 Die Gebäude verfielen immer mehr und wurden nach zwei Bränden abgerissen und in den folgenden Jahren vollkommen dem Erdboden gleichgemacht. Am längsten stand das heruntergekommene Wirtschaftsgebäude (in der Karte Nr. 3), das aber schließlich nach einem Schwelbrand noch in den 80er Jahren so baufällig war, dass es aus Sicherheitsgründen ebenfalls abgerissen wurde. Das ehemalige Vorzeigeobjekt Nammens, ein Kurhaus im Stile der Villen aus der Kaiserzeit, wie sie u.a. in Barkhausen und Minden noch erhalten sind, war damit leider völlig von der Bildfläche verschwunden.

 

Lageplan Bad Nammen
1) Quelleinfassung 2) Schornstein 3) Wirtschaftsgebäude (Speicher/Werkstatt)
4) Wintergarten 5) Musikpavillon 6) Quelleinfassungen 7) Eingang 8) Anbau

 

Hausprospekt und Ansichtskarte

Manfred Busse hat mir die Kopie eines Hausprospektes und einer alten Ansichtskarte von Bad Nammen zukommen lassen. Als Ergänzung und Illustration zu meinem Bericht über Bad Nammen, veröffentliche ich die Karte und einige Seiten dieses Prospektes aus den 50/60er Jahren. Das waren noch Zeiten, als man sich der kräftigsten Schwefelquelle Deutschlands rühmen konnte. Ich habe übrigens damals regelmäßig einen in Bad Nammen abgefüllten Zitronensprudel getrunken. Er schmeckte zwar etwas faulig, war aber trinkbar und eine Abwechslung zu Leitungswasser – eigentlich müsste ich Brunnenwasser sagen, denn die Hauswasserversorgung erfolgte damals in Nammen in der Regel aus hauseigenen Brunnen.

Ansichtskarte Bad Nammen
Ansichtskarte Bad Nammen

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Flaschenetikett Bad Nammen
Flaschenetikett Bad Nammen

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