Kleinbahnstrecke Minchen

Ausgangspunkt dieses Berichts ist eine alte Karte aus dem Besitz von Manfred Busse, auf der eine Bahntrasse von Bückeburg über Petzen durch den Forst Bückeburg (Sandfurt) bis Meißen – Notthorn eingezeichnet ist. Manfred hatte dazu eine Anfrage im Forum gestellt. Ich hatte ihm darauf geantwortet. Die Antwort ließ einige Fragen offen, die ich jetzt klären möchte. Hilfreich dabei war das Buch „Die Mindener Kreisbahnen“ von Ingrid und Werner Schütte, Verlag: Uhle und Kleinmann, Lübbecke 1979 , das  Hans Dieter Prehn zur Verfügung stellte.

Alte Bahnlinie

Die Existenz dieser Bahnlinie war mir aus Berichten meines Vaters, der in seiner Kindheit in Petzen in unmittelbarer Nähe dieser Bahn wohnte, bekannt.  Diese Strecke machte für mich allerdings keinen Sinn, da seit 1847 (Inbetriebnahme der Strecke Minden – Hannover) fast parallel die Hauptbahn bestand. Die Karte war für mich ein Beweis für die Erzählungen meines Vaters.

Zu den Fakten: Schon 1914 wurde  der Bau einer Eisenbahnverbindung Bückeburg – Bad Eilsen angedacht. 1916 wurde dazu eine Gesellschaft gegründet, die seit 1919 Bad Eilsener Kleinbahn GmbH hieß. Die Strecke wurde 1918 eingeweiht. Man befand sich in der Zeit des 1. Weltkriegs, der am 11.11. 1918 mit dem Waffenstillstandsabkommen endete. Zuvor hatte Deutschland am 3.10. 1918 ein Friedensangebot an Präsident Wilson gerichtet. Dieses Angebot war durch die militärische Führung initiiert, die zugab, dass der Krieg verloren war. Später wollte man davon aber nichts mehr wissen und sprach vom „Dolchstoß“ in den Rücken der angeblich unbesiegten deutschen Truppen. Es kam schlimm für den Kriegsverlierer Deutschland. Die Friedensbedingungen, die 1919 ausgehandelt wurden, sahen unter anderem immense Reparationszahlungen vor, die eigentlich nicht zu leisten waren. Aber schon zu Kriegszeiten hatte man ein nur kurzfristig wirkendes Gegenmittel gefunden, man schmiss die Notenpressen an, die jetzt heißliefen, um das benötigte Geld zu drucken. Da keine entsprechenden Gegenwerte vorhanden waren, endete die Sache in der Inflation von 1923. Schon 1919 kostete der Dollar 50 Mark im Vergleich zu 4,20 Mark 1914. Dies zeigt deutlich, dass der Krieg negative wirtschaftliche Folgen für Deutschland hatte. Und ausgerechnet in diese Zeit fiel der Bau der Eisenbahnstrecke Bückeburg – Minden , die als Ergänzung (westliche Verlängerung) der Strecke nach Bad Eilsen gedacht war und für mehr Badegäste sorgen sollte. In Bückeburg hielten damals keine Schnellzüge,so sollten die Kurgäste schon in Minden umsteigen und direkt nach Bad Eilsen fahren können. Die Strecke wurde am 29.7. 1919 eingeweiht; aber schon bald zeigte sich, dass sie eine wirtschaftliche Fehlplanung war. Man fuhr Verluste in Höhe von mehreren hunderttausend Mark ein; und schon am 31.1. 1922 fasste man den Beschluss, die Strecke zu schließen und die Gleise zu demontieren. Damit könnte sie den Rekord für die am kürzesten existierende Bahnlinie halten. Ebenso schnell verblasste die Erinnerung an diese Bahnverbindung. In besserer Erinnerung blieb der östliche Streckenabschnitt bis Bad Eilsen. Dieser wurde erst 1966 geschlossen.

Der Trassenverlauf (inklusive Tunnel bei Ahnsen) lässt sich auch heute noch gut in der Landschaft erkennen; und fast jeder kennt das „Minchen„, den ehemaligen Bahnhof Bückeburg-Ost.