Zeittafel Nammens

Nammer Geschichte im Zeitraffer


Wann beginnt sie, wo beginnt sie?

Ein Nachweis der Dorfgründung durch urkundliche Belegung läßt sich nicht erbringen.
Das „Nammer Lager“, die vorgeschichtliche Wall- und Fliehburg unserer germanischen Vorfahren wird auf 2000 Jahre geschätzt.
Im Jahre 16 n. Chr. hat nach den Aufzeichnungen des Tacitus wahrscheinlich in der Ebene hinter dem Nammer Holz, auf dem heutigen Gebiet von Meißen und Neesen, bis hinüber nach Dankersen, die Schlacht bei „Idistaviso“ stattgefunden. Es war ein sumpfiges Gelände, ohne eine geschlossene Bebauung. Die Ansiedlung Nammen hat es zu der Zeit noch nicht gegeben .

Die Süd-Nord-Trasse bei kriegerischen Bewegungen und im Handel, soweit man damals davon sprechen konnte, verlief noch nicht durch die enge Porta, sondern über das „Levernsiek“ zwischen Nammen und Lerbeck.

Erste geschlossene Ansiedlungen vermutet man in diesem Raum seit der Zeit um 500 bis 800 nach Christi.

Gründung der westfälischen Norddörfer am Wesergebirge: 1033: Lerbeck (Hermann von Lerbeck); 1033 Neesen, 1181 Kleinenbremen, danach Wülpke und Nammen.
1184 Errichtung der Einsiedlerkapelle auf dem noch heute so genannten „Katholikenhügel“, nordwestlich der „Großen Klus“ zwischen Meißen und Röcke.
1270 Nammen ist als „Namene“, das aus dem Keltischen kommt und einen Gewässerlauf bezeichnet, erstmals urkundlich erwähnt (Staatsarchiv Münster).
1350 Die Vorgängerkapelle der heutigen St. Laurentius-Kapelle wurde nach der Überlieferung von den Nammern an der „Klus“ abgebrochen und auf dem „Scheiwen Maat“ neu errichtet.
Um 1450 Die Pestilenz wütet besonders hart in Nammen; Ursprung der Pest-Legende; Gelübde verspricht für alle Zeiten „dritten“ Feiertag an Weihnachten, Ostern, Pfingsten.
1523 Erbauung der heutigen St. Laurentius-Kapelle.
1604, 1. Ostertag Nammen, nach der „Kapellenchronik“ zum Kirchspiel Kleinenbremen gehörig; wird evangelisch (Pastor Johannes Delius). Albert Nisius hat in Minden bereits Jahrzehnte früher die Reformation eingeführt.
1654 Stiftung der „Elisabeth“-Glocke für die Kapelle durch „Ambtmann“ Friedrich Sak – Sack´s (Sachs) Hof.
1655 Sack´s Hof erhält Mahlrecht für eine Mahl- und Sägemühle und eine Grützemühle;
wird später „Freihof“ mit Privilegien; noch heute mit eigenem Friedhof.
1657 Wasserstreit zwischen Amtmann Friedrich Sak und Johan Henrich Vogt vom Nammer Meierhof.
1660/1663 „Umpfarrung“: Nammen kommt vom Kirchspiel Kleinenbremen nach Petzen im Tausch mit Luhden (die Überlieferung in der Kapellenchronik ist nicht unumstritten).
1668 Einführung des gregorianischen Kalenders durch Preußen vor allen Nachbarstaaten (unter anderem Schaumburg-Lippe): Der Sonntag in Nammen war nicht mehr Sonntag in Petzen; der Kirchgang der Nammer nach Petzen fiel damit bis etwa 1700 auf einen Wochentag).
1685 Feuersbrunst rund um die Kapelle vernichtet drei Gehöfte und die Schule; die Kapelle bleibt wie durch ein Wunder verschont.
Ab 1740 Preußenkönig Friedrich II. („Der Alte Fritz“) drängt auf die Privatisierung der „Markenwälder“ zur Aufstockung seiner „Kriegskasse“. Die Nammer wehren sich gegen den damit verbundenen Verlust der „Gerechtsame“ (bestehend aus Holzmonopol und Hude- und Weiderechten).
1798 Übergang der Nammer Schnetten auf damals 51 Berechtigte; Fall des „Holzmonopols“ als Teil der „Gerechtsame“ (die historischen Grenzsteine von 1785 mit der Inschrift D.P. – Domprobst – / K.F. – Königlicher Forst – sind noch heute vorhanden).
Etwa ab 1800 Neubauer im Nammer Westen kommen zum Kirchspiel Lerbeck.
1802 Die Dorfschule, gegenüber der Kapelle, ist baufällig und soll nach den Plänen von Landrat Freiherr von Vincke (später Oberpräsident von Westphalen) umgebaut werden.
1811 Lehrer Sauerbrey läßt während des Unterrichts Flachs dreschen; die Klassendecke stürzt wegen mangelhafter Bauausführung ein; er selbst wird am schwersten verletzt.
1840 Einführung des Klingelbeutels nach Beschluß des Kapellenvorstandes und Einführung der Kollekte.
1840 Nammen hat 157 Gebäude (einschließlich der Nebengebäude) mit 137 Familien
und 717 Einwohnern (ca. 5,5 Köpfe / Familie).
1844 „Carl Hartmann (von Nr. 4) und seine Ehefrau, geb. Stahlhut (von Nr. 3) sowie die Jungfrau Eleonore Timmerberg“ sind die ersten Amerika-Auswanderer; Auswanderer-Welle nach Amerika wirkt sich in Nammen kaum aus. (Die Nachfahren des 1853 ausgewanderten Johann Heinrich Jürgen Brandt von Nr. 21 waren im Herbst 2001 in Nammen und forschten nach ihren Wurzeln.)
1858 Generalabfindung entsprechend eines festgelegten Bonitierungswertes durch das Finanzministerium in Berlin an die Nammer Hudeberechtigten; Aufteilung von 120 Morgen Ackerland östlich, südlich und westlich des Nammer Holzes; Fall der Hude- und Weiderechte als zweiter Teil der „Gerechtsame“ (58 Berechtigte).
Höfeordnung:

  • Vollmeyer: hatte mind. 80 preuß. Morgen (a 2553 qm) / 4 Ackerpferde
  • Halbmeyer: hatte mind. 40 preuß. Morgen (a 2553 qm) / 2 Ackerpferde
  • Viertelmeyer oder Kötter: hatte 20 preuß. Morgen (a 2553 qm) / 1 Ackerpferd
  • Brinksitzer: hatte weniger als 20 preuß. Morgen (a 2553 qm) ; war aber selbständiger Bauer
  • Neubauer: Haus mit Grund, ohne weitere Ländereien
  • Heuerling: Wohnte und arbeitete mit seiner Familie auf einer Hofstätte, war ggf. noch als Tagelöhner oder Handwerker an anderer Stelle tätig.
1862 Doris Nolting, Wirtin auf Bad Nammen, wird als Amme von Prinz Heinrich (Bruder des letzten deutschen Kaisers Wilhelm II.) an den Preußenhof nach Berlin berufen.
Ab 1860 Aufblühen der Kalkindustrie am Nordhang des Wesergebirges und Gründung der Kalköfen Kohlmeier und Timmerberg (zunächst in Lerbeck / ab 1895 in Nammen).
Nach 1870/71 In der Euphorie des beendeten deutsch-französischen Krieges Feier der ersten Schützenfeste und der ersten Erntefeste in Nammen.
Ab 1860 bis etwa 1890 Zeit des „starken Lohkräuger“ (Heinrich Deerberg)
1886 Die Mindener Pioniere errichten auf der „Alten Klippe“ einen Vermessungsturm, der der erste Aussichtsturm auf dem westfälischen Wesergebirgskamm wird („Fannys Ruh“, nach Hauptmann von Schrötten´s Frau benannt, der die Bauleitung hatte).
1892 Gründung des „Turnverein „Jahn“ zu Nammen“, der später MTV Nammen, dann TuS Nammen wird.
1896 Bau der Bergschule; die Dorfschule war für damals 211 Schüler zu klein geworden.
1899 im Juni Gründung der Bäuerlichen Bezugs- uns Absatzgenossenschaft in Nammen, der fünf Jahre später die gegründete Spar- und Darlehnskasse angegliedert wurde.
1899 im Juli Möllers Mutter (Wilhelmine Möller), Westfalens letzte Totenfrau, wird als Wilhelmine Brandt auf Nr. 21 im Nammer Berge geboren (verstorben im Alter von fast 101 Jahren im Juni 2000).
1900 Eröffnung der Bäckerei Tödheide in Nammen mit Kolonialwarengeschäft und bald danach mit angegliederter Posthilfstelle.
Nach 1900 Einzelne Nammer Familien siedeln in Posen; werden z. T. nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg nach Mecklenburg ausgewiesen
1910 Kapellengemeinde wird in ihrer Gesamtheit von Petzen nach Lerbeck umgepfarrt; Nammen hat fortan seinen eigenen kirchlichen Friedhof.
Um 1920 Mehrere Nammer Familien siedeln in Schlesien und kommen mit der Vertreibung nach dem Zweiten Weltkrieg fast alle nach hier zurück.
1929 Aufnahme des Schulbetriebes im Neubau der heutigen Schule; gleichzeitig wird die Bergschule nach nur gut 30 Jahren Unterrichtsbetrieb wieder aufgelöst.
1936 Die Wehrmacht legt zwischen Nammen und Röcke den „Exerzierplatz“ an; sieben Nammer und fünf Röcker Bauern verlieren ihr Land und werden zumeist auf der „Kornmasch“ in Bückeburg neu angesiedelt.
1937 Der Zeche „Wohlverwahrt“ Kleinenbremen wird der Transportweg Untertage zur Erzverladung in Kleinenbremen zu lang; in Nammen treibt man einen neuen Stollen in den Berg; die „Barbara“, wie sie heute heißt, nimmt in Nammen ihren Betrieb auf und beschäftigt hier in ihren Spitzenzeiten mehr als 400 Bergleute.

Die Technisierung hat dazu geführt, dass heute ein Vielfaches der damaligen Fördermenge (als Straßenbaumaterial, nicht mehr für die Verhüttung) mit ein paar Dutzend Bergmännern erledigt wird.

1937 Die bis dahin private Stromversorgung in Nammen geht mit der Abgabe der Konzession durch die Firma Lehra auf das EMR über.
1945 Mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges im April 1945 wird das sogenannte „Polenlager“ im Nammer Nordwesten, in dem Zwangsarbeiter verschiedener Nationalitäten untergebracht waren, aufgelöst.

Die Baracken-Gebäude werden Flüchtlingswohnungen für viele Nammer Neubürger. Anfangs vom DRK getragen, siedeln sich in den Jahren danach Altersheim und Kindergarten an. Nachfolgeträger sind der Landkreis Minden und heute das Diakonische Werk, für den neuen Kindergarten im Ort die Kirchengemeinde.

1973 Am 1. Januar verliert Nammen im Zuge der Gebietsneugliederung seine Selbständigkeit und wird ein Ortsteil der Stadt Porta Westfalica; Nammen hat heute ca. 2400 Einwohner.